1898 in Princeton, New Jersey als drittes Kind des Predigers William Drew und seiner Frau Maria Louisa Robeson geboren, wuchs Paul Robeson in einer Familie auf, in der Spirituals zum "Kulturgut" der Familie gehörten. Über diese musikalischen Wurzeln schrieb Paul Robeson später: "...Hier hörte ich die Lieder von Liebe und Sehnsucht, die Lieder von Heimsuchung und Überwindung. Ich hörte Hymnen und Ragtime-Balladen, Kirchenlieder und Blues und den stärkenden Trost, der aus den tiefen Klagen der Spirituals spricht..." Trotz Bestnoten während seines Jura-Studiums und als erfolgreicher Football-Spieler gelang ihm als Schwarzer keine Karriere in diesen Bereichen. Da seine klangvolle Stimme schon in der Familie aufgefallen war, veranstaltete er sein erstes Konzert 1925 nur mit afroamerikanischen Liedern. Das war der Kick-off für seine spätere Laufbahn als Sänger, dessen Lieder um die Welt gingen. Und: In London wurde er später berühmt mit seiner Rolle als Othello, die zum ersten Mal ein Schwarzer vor einem weißen Publikum spielte. Sein schauspielerisches Talent haben ihm zahlreiche Rollen in Musicals und Filmen verschafft. Je mehr er sich mit afrikanischen Sprachen und der Geschichte seines Volkes beschäftigte, engagierte er sich für die Gleichberechtigung aller Menschen, egal welcher Hautfarbe. Für dieses Ziel nutzte er seine Stimme auf unzähligen Konzerten weltweit.
Seitdem Paul Robeson unserem Chor 1964 die Erlaubnis erteilte, seinen Namen tragen zu dürfen, pflegen wir das musikalische Erbe unseres Namensgebers, verneigen uns aber auch vor einem großen Künstler und Bürgerrechtler, der 1976 in Philadelphia, Pennsylvania verstarb. Zu seinen Ehren gaben wir am 09.05.2026 ein Gedenkkonzert in der Zwingli-Kirche in Berlin-Friedrichshain.
Endlich war es soweit: Am 25.04.2026 gaben der Gaudium-Chor Praha und unser Chor in der St. Johanniskirche in Alt-Moabit ein Gemeinschaftskonzert. Vorausgegangen waren auf beiden Seiten zahlreiche Proben und Absprachen zum jeweiligen Programm. Aber natürlich wollten beide Chöre auch zusammen einige Lieder singen.
Die Gemeinschaftskonzerte beider Chöre sind inzwischen schon Tradition. Sie begann im Jahres 1998, als unser Chor das erste Mal nach Prag eingeladen wurde und zusammen mit dem Gaudium-Chor ein Gemeinschaftskonzert gab. WeitereTreffen folgten in Berlin oder Prag. Daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt, die vom gemeinsamen Singen lebt und in der sprachliche Barrieren keine Rolle spielen.
Dabei sind die musikalischen Schwerpunkte beider Chöre unterschiedlich. Am 25.04.2026 präsentierte der Gaudium-Chor klassische Chorwerke, bekannte Opernweisen, zeitgenössische Kompositionen und Volkslieder.
Unser Programm umfasste Spirituals, Gospels sowie afrikanische und amerikanische Volkslieder. Der Höhepunkt waren aber die gemeinsam gesungenen Songs: das meditative Spiritual "We are climbing Jacob's ladder" und das fröhliche slowakische Volkslied "Tancuj, tancuj".
Singen macht nicht nur Spaß, sondern auch durstig. Deshalb trafen sich nach dem Konzert beide Chöre in einem Kiezclub, um ihre Freundschaft mit Essen, Trinken und Tanzen zu vertiefen. Und oh Wunder: Sie sangen bis in die Nacht hinein.